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Die Geschichte
von PAI

I
Nachdem im Mai 1995 meine erste
Hündin Sabi im hohen Alter für immer gegangen war, fing ich an nach einem neuen
Hund zu suchen, denn ein Leben ohne Hund ging nicht mehr.
Ich blätterte die Zeitungen durch. Da gab es eine Annonce von einer
Tierfreundin in Karlsruhe, sie hatte Straßenhunde aus Spanien geholt. Dabei war
eine kleine Hündin, sie hatte schlecht verheilte Rippen- und Kieferbrüche, und
bei deren Untersuchung hier in Deutschland stellte sich heraus, dass sie
trächtig war. Sie brachte dann hier ihre 3 Welpen auf die Welt, diese sollten
vermittelt werden.
Ich rief dort gleich an. Die Dame am Telefon sagte mir, daß 2 der Welpen schon
vergeben seien, einer wäre noch übrig. Es wäre ein Rüde. Allerdings hätte der
ein kleines Manko, er hätte kein Schwänzchen. Ich sagte dann gleich, egal, ich
komme mal zum angucken.
Bin dann hingefahren. Das erste was ich sah, war die Mutterhündin, sehr hübsch,
sie sah aus wie eine Spitzmischling, Knopfaugen, Fell weiß mit hellbraunen
Flecken. Aber auch scheu und überhaupt nicht menschenbezogen. Wie auch, sie
erinnerte mich stark an die Pariahunde, freilebende Hunde die sich von Menschen
eher fernhalten. Ja und als ich dort war, kam zuerst ein weißer Welpe auf mich
zu, ein Rüde, kurzhaarig, dann noch eine schwarzbraune Hündin, auch kurzhaarig,
beides sehr lustige Welpen, die schon die Treppen rauf und runter rannten.
So, wo war denn nun der eine, der noch übrig war? Wir mussten ihn suchen, er saß
unter dem Schrank, als er hervorkam, naja was soll ich sagen, nee ich war nicht
so begeistert. Er sah wirklich als Welpe seltsam aus, er hatte kurze krumme
Beine wie eine Bulldogge und war pummelig und das kurze Schwänzchen dazu….. dann
auch war er körperlich noch lange nicht so entwickelt wie seine Geschwister, er
torkelte oft rückwärts, die Frau sagte, das wäre manchmal so bei Hunden die ohne
Schwänzchen auf die Welt kommen, da fehle das Steuerruder…. Naja, also ich war
nicht grade hin und weg von dem Kleinen, wir hatten nicht so zueinander
gefunden, er kam auch nicht oft her zu mir. Dann fuhr ich wieder heim. Und ich
meldete mich dann irgendwie nicht mehr bei der Dame.
Diese rief dann jedoch nach 2 Wochen wieder bei mir an, ob ich es mir überlegt
hätte. Den Kleinen wolle niemand haben wegen seinem Schwänzchen. Klar, dann
bekam ich ein schlechtes Gewissen. Ich fuhr mit meiner Freundin wieder hin, um
mir den Kleinen noch mal anzusehen. Er war jetzt schon ein kleines Bärchen
geworden, sehr kräftig mit seinen dicken Beinchen (ich habe Beweisfotos er sah
echt aus wie eine kleine Bulldogge). Ich war immer noch nicht überzeugt, aber
dieses mal kam der Kleine her zu mir und setzte sich demonstrativ auf meinen
Schoß und jagte sogar sein weißes Brüderchen weg von mir. Dann war es klar für
mich, den nehme ich.
Ein bisschen geht die Geschichte noch weiter
J ich hatte ihn
dann daheim und da ich eine besonderen Namen für ihn wollte, habe ich ihn Pai
genannt. Hatte ich mal irgendwo gehört und fand ich passend für das rote
Bärchen. Allerdings war irgendwie immer noch der Wurm drin. Wir fanden nicht so
wirklich zueinander. Er war so mit sich selber beschäftigt und war immer nur am
Schnüffeln beim Spaziergang und hat mich meistens einfach ignoriert. Er war auch
so früh schon selbstständig und ging voller Selbstvertrauen einfach seiner
eigenen Wege. Ich dachte noch, diesen Charakterzug des Streunens und
dem-Menschen-mal-lieber-aus-dem-Weg-gehen kann er nur von seiner Mutter geerbt
und/oder erlernt haben. Übrigens, seine Mutter lief nach ihrer Vermittlung
einfach weg und wurde nie mehr gefunden…
Tja und so war der Kleine dann fast halbjährig und es kam der Tag von Heilige 3
König 1996….oje…meine Schwester war zu Besuch da, sie fuhr gegen Mittag um 15
Uhr wieder heim. Als sie wegfuhr fragte ich noch, wo mein Pai wäre… und der war
weg. Wie vom Erdboden verschluckt. Nirgends mehr zu finden. Ich hab noch meiner
Schwester angerufen, ob er dort im Auto wäre. Nix, er war weg. Ich rief meine
Freundin an, sie kam gleich und wir suchten gemeinsam die Straßen ab bei uns zu
hause, ich weiß nicht wie viele Leute auf der Straße wir gefragt haben, ob sie
nicht einen kleinen roten Hund mit Stummelschwanz gesehen hätten. Nix. Ich war
fertig. Dann war es schon längst dunkel, wir fuhren umher und riefen immer und
immer wieder. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich irgendwann unter Tränen
sagte (bei uns in 50 Meter Entfernung ist die Bahnlinie), der liegt bestimmt auf
dem Bahngleis…. Also gingen wir gleich los, mit Taschenlampen bewaffnet, und
suchten nachts die Bahngleise ab, bestimmt 200 Meter hin und zurück. Wie
gefährlich was das, aber daran denkt man halt nicht in dem Moment. Aber da war
er zum Glück nicht. Mittlerweile war es spät nachts. Ich ging heim. Mein Pai
blieb verschwunden. Meine Welt war zusammengebrochen, ich machte mir riesige
Vorwürfe und dachte das wäre die Strafe dafür, dass ich diesen kleinen Hund
vielleicht nicht richtig angenommen hatte….es war eine schreckliche Nacht….
So, am nächsten Morgen um 7 Uhr rief ich 2 Zeitungen an und ließ gleich
Suchanzeigen reinsetzten. Dann so um 8 Uhr rief mein Onkel aus dem Rathaus an,
er arbeitete dort. Er sagte mir: „Du Heidi, da ist eine kleiner Hund abgegeben
worden, der sieht aus wie deiner….“ Ich konnte nichts mehr sagen, wortlos rannte
ich los und bin zu Fuß ans Rathaus gerannt. Wer steht nicht da? Ein junges
Mädchen mit meinem Pai an der Leine. Ich konnte vor Tränen nichts sagen, bin nur
vor dem Pai hingekniet. Aber Hallo, was machte der? Die Wiedersehensfreude war
nur einseitig. Ich weiß es noch wie heute, der hat mich angeguckt und hat sich
dann weggedreht… Ich weiß noch, dass daraufhin das Mädchen mich fragte, ob das
auch wirklich meiner sei….. tja, aber irgendwie war ich darauf gefasst, dass der
kleine Pai mich ja nicht so mochte, aber jetzt war ich bereit um ihn zu kämpfen!
Ich nahm den Kleinen und bedankte mich bei dem Mädchen, noch heute freue ich
mich wenn ich sie treffe, sie fragt auch immer nach dem Pai. Er hatte in dieser
Nacht damals bei ihr aufgeräumt, sprich ein paar Pflanzen gekillt. Er wäre aber
sehr lustig gewesen, sagte sie noch.
So OK, das war
meine Geschichte mit Pai, und ich erzähle sie deshalb so ausführlich, weil ich
aus diesem Grund mit dem Hundesport angefangen habe, der mir heute soviel
bedeutet. Ich ging nämlich damals nur wegen diesem Vorfall einige Tage später
auf den Hundeplatz bei mir zuhause und fragte um Hilfe an, weil ich einen Hund
hätte, der nicht soviel von mir will, aber ich von ihm…. Ja so fing alles an,
und nur dem Hundesport ist es zu verdanken, dass mein Pai ‚gelernt’ hat mich zu
mögen und mit mir zu arbeiten (die krummen Beine wurden irgendwann lang und
gerade und sein Schwänzchen bekam eine weiße schöne Fahne
J). Erst durch
die gemeinsame Arbeit sind er und ich zusammengewachsen. Und ich habe von dem
eigenwilligen und eigenständigen Pai so viel gelernt über Hunde und ihre
Denkweise, er ließ mir ja keine andere Wahl
J
Heute
noch hab ich immer etwas Angst, wenn eine Tür offen steht, dass Pai einfach
weggeht und nicht mehr kommt. Leute, die unsere zahlreichen Erfolge im
Hundesport miterlebt haben, lachen mich dann immer aus, er würde doch nie
einfach weggehen…. J
Ja Paichen ist schon
was besonderes… Danke für alles, mein Freund Pai!
Heidi Zahn
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