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Die Geschichte von AIKO
Teil 1

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Wir befinden uns ja mitten in der Adventszeit. Der Advent ist für die Zweibeiner eine Zeit, in der es immer heller wird. Zuerst zünden sie eine Kerze an, dann zwei, dann drei – dann vier Kerzen und dann schmücken sie einen ganzen Baum mit ganz, ganz vielen Kerzen. Die sagen nach der dunklen Zeit im November soll es hell werden. Hell in den Wohnungen und Straßen und hell in den Herzen.

Ich erlebte auch eine dunkle Zeit. Daran möchte ich mich aber gar nicht erinnern. Ich weiß nur noch, dass es sehr, sehr dunkel und kalt war in meinem kleinen Beagleherz. Ein kleiner Funken Hoffnung glühte zwar noch irgendwo tief drinnen, doch er war so winzig, dass selbst ich selbst kaum etwas davon bemerkte.

Auch den anderen Hunden, die ich kannte ging es ähnlich. Manchmal erzählten wir uns Geschichten. Geschichten von Licht und Wärme. Manchmal wünschte ich mir dass sie wahr werden würden. Aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass es so etwas Schönes tatsächlich geben könnte.

Genau heute (11.12.2006) vor 2 Jahren begann dann für mich meine ganz persönliche Adventszeit. Zunächst begann alles damit, dass nette Zweibeiner zu uns Hunden kamen und einige von uns mitnahmen. Das fand ich gar nicht toll. Ich wurde ich eine Box gebracht und dann schaukelte und rumpelte es eine lange Zeit. Ich hatte Angst – meine Blase drückte – und mir wurde übel – so übel. Als die Zweibeiner mich endlich aus der Box holten war ich ganz verschmiert. Das war mir peinlich, aber vor lauter Angst konnte ich einfach nicht anders.

Die Zweibeiner brachten mich zu anderen Beagles. Ich schaute mich um und konnte es kaum glauben. Die anderen Beagles waren ganz anders als die Hunde die ich bisher kannte. Sie liefen freudig umher, sprangen auf Stühle und hatte gar keine Angst, weder vor den Zweibeinern, noch vor den vielen Dingen die es dort gab. Hunde ohne Angst – gab es das wirklich? In den Geschichten, die ich gehört hatte, gab es solche Hunde. Sollten diese Geschichten wirklich war sein?

Bald kamen noch mehr Zweibeiner und holten einige der Hunde, die mit mir hier angekommen waren, ab. Nach einiger Zeit kamen auch Zweibeiner die sich für mich interessierten. Sie schauten mich an, ignorierten mein verschmiertes Fell, und redeten ganz lieb mit mir. Sie streichelten mich sanft und mir wurde doch tatsächlich ein wenig warm. Sie hatten ein Geschirr und ein Halsband für mich mitgebracht. Ich wusste zwar noch nicht was das bedeuten sollte, aber sie schienen sich für mich zu interessieren.

Nachdem die Zweibeiner noch etwas miteinander geredet hatten, zogen sie mir die neuen Sachen an. Dann nahmen sie mich ganz vorsichtig auf den Arm und brachten mich in eine Hundebox. Schon wieder eine Box – das durfte doch nicht war sein. Ich wollte nicht schon wieder in so ein Wackel-Rumpel-Ding. Ich protestierte, bellte so laut ich konnte, aber es half nichts. Irgendwann schlief ich vor Müdigkeit ein.

 Als ich wieder aufwachte, hatte das Rumpeln und Wackeln aufgehört. Die Zweibeiner nahmen mich wieder vorsichtig auf den Arm und trugen mich ein Stück. Dann setzten sie mich ab. Der Boden war seltsam. Grün, weich und feucht. Da kam schon wieder ein Beagle, den ich noch nie gesehen hatte, auf mich zugelaufen. Er war wohl noch recht jung und wollte mit mir spielen. Spielen – nein – das traute ich mich nicht. Ich blieb einfach auf der Stelle stehen.

Die Zweibeiner brachten mich dann auf einen richtigen Boden, in ein Haus. Der Boden war gar nicht kalt und es gab überall Kissen, Liegematten und Decken. Ich wusste nicht so recht, was ich da sollte. Wie ein Tiger im Käfig lief ich unruhig umher. Doch bald wurde ich ruhiger.

Im Advent öffnen die Zweibeiner gerne kleine Türchen. Sie finden hinter den Türchen meist etwas das ihnen Freuden macht.

Ich lernte jeden Tag etwas Neues kennen. Zunächst hatte ich viel Angst, doch mit der Zeit wurde die Angst immer weniger. Ich lernte Dinge die mir Spaß machten. Spielen mit anderen Hunden, Erklimmen von Hürden, Leckerchen suchen, Tricks lernen und vieles mehr.

Dabei hat mir mein Beagle-Kumpel sehr geholfen. Er hat mir vieles einfach vor gemacht. Wenn er keine Angst hatte, brauchte ich auch keine Angst zu haben. Er hat mir sehr geholfen.

Jede Angst, die ich überwunden hatte, war für mich wie ein kleines Adventstürchen. Es machte mir Freude und ich freute mich schon auf das nächste Türchen. Die Zweibeiner hatte viel Verständnis mit mir. Manchmal dauerte es recht lange, bis ich mich an eine neue Herausforderung heran traute. Aber mit der Zeit wurde ich immer sicherer. Ich lernte, dass die Zweibeiner es immer nur gut mit mir meinten. Ich konnte mich in ihrer Nähe ganz sicher fühlen. Sei kurzem traue ich mich sogar, mich vor ihnen auf dem Rücken zu räkeln und mir den Bauch kraulen zu lassen.

Langsam, ganz langsam wurde aus dem kleinen Hoffnungsschimmer in mir drinnen ein richtig helles Licht. Es dauerte lange, doch es wurde heller, immer heller.

Jetzt ist das Licht fast so hell wie ein ganzer Baum voller Lichter.

Für mich fing mein Advent am 11. Dezember vor zwei Jahren an. Manchmal finde ich auch heute noch ein Türchen mit einer Herausforderung. Mein Advent dauert wohl etwas länger als die 24 Türchen an dem Adventskalender der Zweibeiner.

Wenn die Menschen beginnen Kerzen anzuzünden, Adventskalender zu öffnen, Bäume zu schmücken denke ich an meine, meine ganz persönliche Adventszeit.

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